Entwicklung der Zinsen bei einer Baufinanzierung – Historisch und ein Blick in die Zukunft

Das derzeitige Niedrigzinsniveau lädt viele Menschen dazu ein, ihren Traum von den eigenen vier Wänden in die Wirklichkeit umzusetzen und sich ein Eigenheim anzuschaffen. Dabei sind vor allem Immobilien in guten Lagen und Ballungsgebieten wie Hamburg oder München stark gefragt. Es gibt grundsätzlich die Möglichkeit, eine Bestandsimmobilie zu erwerben oder selbst eine Immobilie zu bauen. Unabhängig davon, welche Variante gewählt wird, haben die wenigsten Menschen ausreichend Kapital, um den Immobilienkauf vollständig zu finanzieren. Es ist also in aller Regel notwendig, Geld zu leihen und die sogenannte „Baufinanzierung“ in Anspruch zu nehmen.

Aktuelle Bedingungen der Baufinanzierung

Wer derzeit ein Eigenheim oder eine Kapitalanlage anschaffen möchte, findet auf dem Finanzierungsmarkt sehr günstige Konditionen vor. Die üblichen Zinsbindungsfristen betragen fünf, zehn, fünfzehn oder sogar zwanzig Jahre. Es handelt sich dabei um die Frist, während der ein Zinssatz fest bleibt; bei Auslaufen der Zinsbindungsfrist kann das Darlehen vollständig zurückgezahlt, prolongiert oder umgeschuldet werden. Wer jetzt eine Baufinanzierung für beispielsweise zehn Jahre abschließt, liegt bei den besten Darlehen unter einem effektiven Jahreszins von 2,5 Prozent. Damit ist die Baufinanzierung so günstig wie niemals zuvor. Die außerordentlich geringen Zinsen haben jedoch auch einen Nachteil: Wer nämlich eine geringe Tilgung ansetzt, zahlt in Niedrigzinszeiten zwar insgesamt weniger, dafür aber deutlich länger. Darum ist es sinnvoll, von Anfang an eine hohe Tilgung anzusetzen. Die geringen Zinsen sorgen in Verbindung mit einer hohen Tilgung für eine Annuität, die sich viele Menschen leisten können, und ermöglicht es in einigen Fällen auch, das komplette Darlehen innerhalb der Zinsbindungsfrist zu bedienen. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn dem Darlehensnehmer Sondertilgungsrechte zugestanden werden, was aktuell bei diversen Finanzierungen der Fall ist. In der Regel sind Finanzierungen auf ca. dreißig Jahre ausgelegt. Auch Vollfinanzierungen, die vor wenigen Jahren noch fast undenkbar waren, haben Hochkonjunktur – und ermöglichen damit Menschen ohne große Rücklagen den Erwerb eines Eigenheims.

Historische Konditionen der Baufinanzierung

Bauzinsen 2013

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Die Zinsen für die Baufinanzierung sind derzeit auf einem historisch niedrigen Stand. Wer beispielsweise Anfang der 1990er Jahre eine Immobilienfinanzierung abschloss, hatte häufig effektive Jahreszinsen in Höhe von etwa neun Prozent zu zahlen. Hinzu kam bei den beliebten Annuitätendarlehen noch die anfängliche Tilgung in Höhe von meist einem Prozent. Wer also beispielsweise in den 90er Jahren mit einem effektiven Jahreszins von neun Prozent und einem Prozent Tilgung eine Summe von 200.000 DM finanzierte, musste eine monatliche Rate in Höhe von etwa 1.666,67 DM zahlen. Im Vergleich: Wer heute eine Immobilienfinanzierung mit drei Prozent effektivem Jahreszins und einem Prozent anfänglicher Tilgung abschließt und eine vergleichbare Summe von 100.000 Euro finanziert, zahlt eine monatliche Rate von 333,33 Euro und hat damit trotz Verlusten des Währungswechsels eine wesentlich geringere Belastung. Stärker als in den 1990er Jahren war die Belastung übrigens für Baufinanzierer Anfang bzw. Mitte der 1980er Jahre, als sich die Zinsen sogar teilweise im niedrigen zweistelligen Bereich einpendelten. Stellt man die historischen und aktuellen Hypothekenzinsen im Verlauf dar, ergeben sich zwar immer wieder Ausreißer nach oben (um 1980, 1984, 1990, 1995, 2000 und 2009), doch insgesamt ist ein Abwärtstrend zu sehen (Quelle: www.bauzins.org).

Ausblick

Kurzfristig werden die Zinsen für die Baufinanzierung aufgrund des allgemein niedrigen Zinsniveaus noch günstig bleiben, doch mittel- und langfristig ist mit einem deutlichen Anstieg der Zinsen zu rechnen. Schließlich verdienen auch die finanzierenden Banken trotz der güngstigen Refinanzierungskosten an ihren aktuellen Darlehen nur sehr wenig. Auch die hohe Nachfrage nach dem sogenannten „Betongold“ kann zu einer Verteuerung der Konditionen führen. Wie sich die Konditionen entwickeln, kann niemand verlässlich voraussagen. Da aber eine weitere Verbesserung der Konditionen kaum möglich ist und aus dem Diagramm der historischen Baufinanzierungszinsen teilweise ziemlich sprunghafte Entwicklungen hervorgehen (beispielsweise ein Plus von fast zwei Prozent zwischen 1999 und 2000 oder etwa anderthalb Prozent zwischen Ende 2010 und Herbst 2011), ist es sinnvoll, die niedrigen Zinssätze mit den geringfügigen Aufschlägen für längere Zinsbindungsfristen zu nutzen und sich damit eine gute Baufinanzierung zu sichern.